Leistungen · Robotik

Roboter, die im Betrieb laufen – nicht nur in der Inbetriebnahme

Ein Roboterprogramm ist schnell geschrieben. Ob die Anwendung auch nach Monaten noch sicher greift, fügt und den Takt hält, entscheidet sich früher: bei der Auslegung der Zelle, beim Verständnis der Kräfte und bei der Frage, wie sich der Roboter tatsächlich bewegt. Genau dort setze ich an.

Ich arbeite mit ABB-Robotern – vom klassischen Industrieroboter (IRB) über SCARA und Delta-Roboter bis zu den kollaborativen Modellen der CRB-Reihe (GoFa, PoWa) sowie YuMi und Single Arm YuMi, auf OmniCore (RobotWare 7 und 8) und IRC5.

Leistungsumfang

Was ich übernehme

Ganz oder in Teilen: als komplettes Paket oder als abgegrenztes Arbeitspaket für Ihren Integrator.

  • Konzept und Simulation der Zelle – Robotertyp, Platzierung von Roboter und Peripherie, Erreichbarkeit und Zykluszeit in RobotStudio, bevor gebaut wird
  • Konzepte und Design von Zellenperipherie und Greifertechnik – Greifer (auch multifunktional), Ablagen, Aufnahmen und Nester, abgestimmt auf Bauteil und Prozess
  • Vorentwürfe für die Konstruktion – Greifer, Aufnahmen und Peripherie als Konzept vorentworfen, für Ihre Konstrukteure oder die Ihres Integrators zum Ausarbeiten; auf Wunsch begleitend bis zum konstruktiven Detail
  • Programmierung – RAPID auf OmniCore und IRC5, strukturiert, nachvollziehbar und wartbar
  • Inbetriebnahme – vor Ort, vorbereitet an einem digitalen Abbild der Anlage
  • Optimierung – Taktzeit, Bahnführung, Prozessstabilität und Verschleiß
  • Unterstützung bei komplexen Anwendungen – wenn Ihre Anwendung nicht weiterkommt: Analyse, Lösungsvorschlag und Umsetzung, auf Wunsch auch begleitend für Ihr Team

Zelle richtig auslegen

Kinematische Grenzen, Singularitäten, Platzierung von Roboter und Peripherie

Ob ein Roboter eine Position erreicht, entscheidet nicht nur die Grenze seines Arbeitsraums. Liegen Greifer und Tray ungünstig zueinander, muss der Roboter mitten im Tray durch Singularitäten – mit mehr Programmieraufwand und unnötig hohen Achsgeschwindigkeiten. Eine angewinkelte Greiferanordnung oder eine andere Tray-Lage löst das, bevor es entsteht.

Solche Zusammenhänge prüfe ich in der Planungsphase: kinematische Grenzen – nahe der Arbeitsraumgrenze gehen Freiheitsgrade bei der Werkzeugorientierung verloren –, Singularitäten im bedienten Bereich, die Platzierung von Roboter und Peripherie, die Greiferanordnung und die Erreichbarkeit aller Positionen – in der Planung, und wenn nötig auch an einer bestehenden Anlage. Was hier richtig ausgelegt ist, muss später nicht aufwendig umprogrammiert werden.

Aus über 30 Machbarkeitsuntersuchungen bei ABB – unter anderem

  • Zusammenbau von Steckspielzeug
  • Lokalisieren und Verpacken empfindlicher Medizinprodukte
  • Verpacken von Elektrokomponenten
  • Montage von Getriebebaugruppen
  • Lokalisieren und Montieren von Dämpfungsbaugruppen für Schränke
  • Lokalisieren und Montieren eines Industriegreifers
  • Fügen von Passelementen in den Zylinderkopf eines Verbrennungsmotors
  • Vereinzeln, Lokalisieren und Fügen von Steckterminals auf Leiterplatten
  • Einsetzen von Leiterplatten in Gehäuse
  • Montage von Lüfterbaugruppen

Prozessanalyse und -optimierung

Stabile, produktionssichere Prozesse

Sporadische Fehlgriffe, Teile, die beim Fügen verkanten, Greifer, die schneller verschleißen als erwartet: Solche Probleme haben fast immer eine mechanische Ursache – und die ist im laufenden Betrieb selten zu sehen.

  • Wie stabil ist der Prozess wirklich? Ich prüfe Greif- und Fügeprozesse auch bei Bauteiltoleranzen, wechselnder Lage und über lange Laufzeit.
  • Kräfte, die man nicht sieht – unnötige Kräfte beim Greifen oder Fügen zeigen sich erst nach Wochen als Verschleiß an Greifer, Bauteil oder Aufnahme. Ich finde sie und beseitige die Ursache.
  • Fehler an der Ursache lösen – systematisch eingrenzen statt Symptome umgehen: mit den integrierten Protokollen der Robotersteuerung, gezieltem Logging im Programm und genauem Beobachten des Ablaufs an der Anlage.
  • Kamera erkennt nicht zuverlässig – Teile werden mal gefunden, mal nicht. Die Ursache liegt oft in der Beleuchtung oder im Vision Job selbst: ungeeignete Werkzeuge, eine ungünstige Reihenfolge, Einstellungen ohne Reserve für die Produktion. Mehr dazu
  • Gerade gegriffen, verdreht daneben – die Kamera findet das Teil richtig, und trotzdem greift der Roboter daneben, sobald es leicht verdreht liegt. Dann geht die Position auf dem Weg zum Roboter verloren: in der Kalibrierung, in den Transformationen oder darin, wo Werkobjekt und Tool-Koordinatensystem liegen. Sind sie ungünstig platziert, wird aus jeder Drehung des Teils zusätzlich eine Verschiebung. Zweckmäßig platziert, bleibt eine Drehung eine Drehung – und Vorpositionen lassen sich einfach relativ zur Greifposition berechnen.
  • Mechanik nachschärfen, wo der Prozess es verlangt – erweist sich eine Greiferfinger-Geometrie oder eine Ablage im realen Prozess als nicht sicher, entwerfe ich sie neu. Das ist oft der kürzere Weg als jede Programmkorrektur.
  • Fehlerbehandlung von Anfang an – nach einer Kollision fährt sich der Roboter selbst frei und meldet den Fehler an die SPS; der Bediener quittiert an der HMI, statt mit dem Bedienhandgerät eingreifen zu müssen. Mehr dazu
  • Bahnen optimieren – unnötige Beschleunigungen und Stopppunkte vermeiden, Bewegungen verschleiß- und energiearm auslegen.
  • Taktzeit gewinnen, ohne Sicherheit zu verlieren – zum Beispiel, indem der Greifer schon auf der Anfahrt schließt und der Triggerzeitpunkt sich automatisch an die Größe des Bauteils anpasst. So erreichte eine Montageanlage mit mehreren Robotern ihren Takt.

Ein Beispiel von vielen aus 15 Jahren Industrieautomation: Eine von Hand geteachte Greifpose sitzt oft nicht ganz genau – leicht versetzt oder verkippt. Ist das Werkstück in der Aufnahme fixiert, verspannt der Greifer beim Schließen die gesamte kinematische Kette. Das kostet Prozesskraft und führt auf Dauer zu Verschleiß. Wird die Aufnahme dagegen angetastet und die Greifpose daraus berechnet, sitzt der Greifer genau.

Ein Fall aus der Praxis: Der Werkzeugrahmen (TCP) eines Greifers lag seitlich neben den Greifbacken. Geteacht wurde die Greifposition an einem Teil, das die Kamera in Lage 0° gefunden hatte – dabei fällt das nicht auf. Lag ein Teil verdreht, drehte der Roboter um den falschen Punkt: Mit zunehmender Verdrehung entfernte sich die Greifposition vom Teil. Liegt der TCP in der Greifmitte, bleibt eine Drehung eine Drehung.

Präzisionsfügen und kraftsensible Prozesse

Fügen mit Gefühl

Wo Bauteile mit engen Toleranzen gefügt werden, reicht Positionsgenauigkeit allein nicht. Je nach Aufgabe setze ich eines von zwei Verfahren ein.

Force Control – der Roboter regelt auf Kraft

Ein Kraft-Momenten-Sensor, in der Regel am Roboterflansch montiert, misst direkt, was beim Fügen passiert. Der Roboter sucht die richtige Lage, fügt mit definierter Kraft und stoppt, bevor Grenzwerte überschritten werden. Weil die Regelung direkt in die Achssteuerung eingreift, reagiert Force Control um ein Vielfaches schneller – und misst sehr feinfühlig, unabhängig von Greiferorientierung und Achsstellung. Richtig, wenn Kräfte fein geregelt, überwacht oder protokolliert werden müssen.

SoftMove – der Roboter gibt nach

Der Roboter wird in ausgewählten Richtungen gezielt nachgiebig geschaltet und gleicht kleine Lageabweichungen aus. SoftMove erfasst die Kräfte über die Achsantriebe und wird auf RAPID-Ebene gesteuert – zusätzliche Hardware ist nicht nötig. Richtig, wenn Teile in Maschinen oder Aufnahmen eingelegt werden und kleine Toleranzen einfach ausgeglichen werden sollen.

MerkmalForce ControlSoftMove
MessungKraft-Momenten-Sensor am Flanschüber die Achsantriebe
Empfindlichkeitsehr hoch, unabhängig von Orientierung und Achsstellunggeringer, abhängig von Orientierung und Achsstellung
Reaktionsehr schnell, direkt in der Achssteuerunglangsamer, auf RAPID-Ebene
Hardwarezusätzlicher Sensorkeine zusätzliche Hardware
Typisch fürKraftregelung, Suchen, Überwachen, ProtokollierenToleranzausgleich beim Einlegen und Fügen

Aus der Praxis

  • Prüfanlage beladen: Fügekräfte werden überwacht, bei Überschreiten der Grenzwerte stoppt der Roboter sofort. Schlägt ein Fügevorgang fehl, löst der Bediener die Situation an der Anlagen-HMI – geführt von Kraft- und Momentwerten in Echtzeit, ohne Bedienhandgerät; ein automatischer Rückzug schützt Anlage und Prüfling.
  • Werkzeugwechsel in einer Finish-Maschine: Beim Präzisionsfügen des Werkzeugs arbeitet der Roboter mit SoftMove nachgiebig – das gleicht kleine Positionsfehler aus und schützt Lagerung und Antriebseinheiten der Werkzeuge.
  • Automatisches Einmessen: In einer Anlage mit zahlreichen Ablagenestern tastet der Roboter jedes Nest mit Force Control ab und korrigiert seine Position per Offset – danach bleiben die Fügekräfte an allen Nestern deutlich unter den zulässigen Grenzwerten.

Mensch und Roboter

Ohne Schutzzaun – und trotzdem sicher

Kollaborative Roboter – vom GoFa bis zum PoWa für höhere Traglasten – arbeiten ohne Einhausung, aber nicht ohne Sicherheitskonzept. Mit SafeMove teile ich den Arbeitsraum in Zonen ein und lege je Zone Geschwindigkeit und Kraftgrenzen fest: langsam und kraftbegrenzt, wo Hände hineingreifen können, schneller, wo keine Gefahr besteht. Bereiche, die die Anwendung nicht braucht, kann der Roboter gar nicht erst anfahren.

Aus der Praxis

Auf der Anuga und der FachPack präsentierte ein GoFa Produkte, mitten zwischen den Standbesuchern. Auf den letzten Zentimetern zum Nest fuhr er langsam und kraftüberwacht: Gerät ein Finger dazwischen, stoppt er an der in SafeMove eingestellten Kraftgrenze. Projekt ansehen

Echtzeit-Bewegungssteuerung mit EGM

Bahnen jenseits von Linie und Kreis

Klassisch wird ein Roboter über fest programmierte Punkte geführt: Er fährt Geraden und Kreisbögen (in ABB RAPID MoveL und MoveC), die Bahn steht vor dem Start fest. Für die meisten Aufgaben ist das genau richtig.

An Grenzen stößt dieses Prinzip, wenn

  • die Bahn eine Freiform ist – etwa entlang einer gewölbten Oberfläche oder einer aus CAD-Daten berechneten Kontur. Mit Geraden und Kreisbögen lässt sie sich nur durch sehr viele Einzelpunkte annähern; das kostet Programmieraufwand und führt zu ungleichmäßiger Geschwindigkeit.
  • die Bahn erst während der Bewegung feststeht – weil ein Sensor, eine Kamera oder eine externe Berechnung laufend neue Vorgaben liefert.
  • der Roboter mit anderen Systemen synchron laufen muss, die sich nicht an ein festes Programm halten.

Mit Externally Guided Motion (EGM) bekommt der Roboter seine Bewegung im Millisekundentakt von außen vorgegeben – von einem Programm, das die Bahn berechnet oder aus Sensordaten ableitet. So werden Anwendungen möglich, die mit klassischer Programmierung nicht oder nur mit großem Aufwand umsetzbar sind: Freiformbahnen aus Geometriedaten, sensorgeführte Bewegungen, Bahnkorrektur in Echtzeit.

Die Bahn berechnen, die Schnittstelle umsetzen und das Zusammenspiel mit der Robotersteuerung sicher auslegen – das gehört zu meinen Leistungen.

Anwendungen auf gekrümmten Oberflächen

Wo ein Werkzeug einer Freiformfläche exakt folgen muss – beim Auftragen, Dispensen und Kleben, beim Schweißen, beim Laser- oder Plasmaschneiden, beim Gravieren, Entgraten oder Polieren – entscheidet die Bahn über die Qualität. Ich entwickle die Software, die solche Bahnen aus Geometriedaten berechnet und den Roboter in Echtzeit darauf führt. Sie haben eine solche Aufgabe? Sprechen Sie mich an

Greifen vom laufenden Band

Ohne Bandstopp

Mit Conveyor Tracking greift der Roboter Teile direkt aus der Bewegung – das Band muss nicht anhalten. Eine Kamera erfasst Lage und Orientierung jedes Teils, der Roboter verfolgt es auf dem Band und legt es gezielt ab.

Aus der Praxis

In einer Machbarkeitsuntersuchung für das Sortieren flacher Teile vom laufenden Band mit einem Delta-Roboter habe ich eine Zykluszeit von 1,2 Sekunden pro Teil und die Erreichbarkeit aller Positionen nachgewiesen – die Anlage wurde auf dieser Grundlage gebaut. Projekt ansehen

Schnittstellen und Anbindung

Der Roboter im Zusammenspiel

Ein Roboter arbeitet selten allein. Ich binde ihn so an, wie es die Anlage verlangt.

  • SPS über PROFINET, EtherNet/IP, Ethernet oder Profibus – Ablaufsteuerung, Übergabe von Positionskorrekturen, Bedienung über die Anlagen-HMI
  • OPC UA – Anbindung an übergeordnete Systeme und PC-Anwendungen
  • Robot Web Services (RWS) – Steuerung und Datenzugriff aus eigener Software
  • EGM – Bewegungsvorgabe in Echtzeit (siehe oben)
  • FlexPendant-Apps – eigene Bedienoberflächen direkt am Bedienhandgerät. Software & Tools

Projekte

Projekte zu diesem Thema

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